Jorinde

und Joringel, Rapunzel, Rumpelstilzchen, Schneewittchen und Dornröschen, – so heißen die Märchen unserer Kindheit. Die Märchen entstanden in vorschriftlicher Zeit und wurden bis zur Romantik nur mündlich überliefert. Sie bilden das gesellschaftliche Wertesystem unserer Kultur ab. Die äußeren Lebensumstände haben sich geändert, doch die Verstrickungen von Mann und Frau, Eltern und Kindern, Bruder und Schwester, Gut und Böse, Arm und Reich bleiben gleich. Die in den Märchen verborgenen Botschaften sind aktuell, weil sie grundlegende Konflikte menschlichen Zusammenlebens behandeln.

Die Moral der Märchen greift viel tiefer, nämlich auf das Wertesystem der Natur. Dieses naturweise Wissen hat die Märchen geprägt. Die Moral der Märchen blickt auf die Seele und ihren Entwicklungsweg. In symbolischer Bildsprache werden eigene Lösungswege für die persönliche Entwicklung vorgestellt. Alle belebte und unbelebte Natur – ganz gleich ob Stein, Tier, Pflanze oder Baum – ist beseelt und kann sprechen und erweist sich als Helfer in der Not, als Ratgeber, als prüfende Instanz für unseren Helden, unsere Heldin. Schamanismus und Märchen gehören zusammen.