Afrika und die Ahnen

Grundlegend für das afrikanische Lebensgefühl ist die große Bedeutung der Gemeinschaft. Diese besteht aus den lebenden Mitgliedern und ihren Ahnen. Die Ahnen leben mit und bei ihren Nachkommen. Ein gutes Verhältnis zu ihnen ist lebensnotwendig. Verwurzelt zu sein, sein Woher zu kennen, in einer bestimmten Tradition zu stehen ist für viele AfrikanerInnen von grundlegender Bedeutung.

Auch in der Heilkunde sind die Ahnen von Bedeutung. Eine Sangoma, Schamanin im südlichen Afrika, wird von ihren Ahnen zum Heilertum berufen. Während ihrer Initiationszeit lernt sie, eine „Arbeitsbeziehung“ zu heilenden Ahnen aufzubauen, mit deren Botschaften sie über die Ursachen von Krankheit und Missgeschick weissagt und die nötigen Behandlungsstrategien für ihre PatientInnen findet.

In der therapeutischen Arbeit ist die Begegnung mit Ahnen ebenfalls heilsam. Häufig ist zu erkennen, welche negative und hemmende Kraft von vergessenen oder verstoßenen Ahnen und von Ahnen mit schwerem Schicksal wie Flucht, Vertreibung, Krieg und Täterschaft ausgeht. Sobald die Nachfahren sich an sie erinnern und sich mit ihnen versöhnen, können sie ihren Platz in der Ahnenreihe einnehmen. Bei der Aufstellungsarbeit wird versucht, die Ordnung im Familiensystem wieder herzustellen, damit die Kraft der Ahnen als Unterstützung wirken kann.

Afrika und die Ahnen